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Aus der Praxis

Der dreieinhalb Meter lange Rechenstreifen

Manchmal braucht es für eine große Verbesserung keine komplizierte Software. Manchmal genügt ein einziges zusätzliches Feld.

Damals arbeitete ich als Programmierer für ein Werkzeugbauunternehmen und entwickelte dort eine Produktionsplanung, mit der rund 50 Mitarbeiter arbeiteten — von der Konstruktion über den Einkauf bis in die Fertigung.

Eines Tages war ich in der Einkaufsabteilung unterwegs. Eine Mitarbeiterin hatte eine Stückliste aus unserem Programm vor sich liegen, daneben stand eine Rechenmaschine. Aus der Maschine hing ein Rechenstreifen. Nicht ein paar Zentimeter — ungefähr dreieinhalb Meter.

Schreibtisch mit einer Rechenmaschine, aus der ein meterlanger Rechenstreifen bis auf den Boden hängt, daneben eine Stückliste mit handschriftlichen Notizen

„Was machen Sie denn hier?“

Was sie antwortete, kostete das Unternehmen jeden Monat mehrere Arbeitstage — obwohl die Lösung längst im System steckte. WeiterlesenWieder zuklappen

Auf der Stückliste standen Stahlteile. Je nach Sorte und Härte hat Stahl ein anderes spezifisches Gewicht, also rechnete sie für jede einzelne Position das tatsächliche Gewicht aus. Die Werte brauchte anschließend die Kalkulation.

„Der Werkstoff und die Abmessungen stehen doch schon in der Stückliste, oder?“
„Ja. Aber das spezifische Gewicht fehlt.“
„Dann hinterlegen wir das doch einmal beim Werkstoff. Danach rechnet das Programm das Gewicht selbst aus.“

Sie sah mich mit großen Augen an: „Das geht?“

„Natürlich geht das. Ihr müsst mir solche Dinge nur erzählen. Ich muss wissen, was ihr jeden Tag macht und wo ihr viel Zeit verliert. Dann kann ich mir überlegen, wie wir es einfacher machen.“

Wir bauten ein einziges zusätzliches Feld in die Software ein und hinterlegten gemeinsam mit den Konstrukteuren für die Stahlsorten und Härtegrade das jeweilige spezifische Gewicht. Diese Information musste nur ein einziges Mal gepflegt werden. Von da an genügte ein Knopfdruck: kein manuelles Addieren mehr, keine langen Rechenstreifen.

Ersparnis durch ein einziges Feld: rund drei Arbeitstage. Jeden Monat.

Nicht durch ein neues Softwareprojekt. Nicht durch eine teure Maschine. Sondern durch eine kleine Information, die an der richtigen Stelle hinterlegt wurde.

Warum ich das erzähle

Optimierung beginnt mit Zuhören.

Die Mitarbeiterin wusste gar nicht, dass sich diese Aufgabe automatisieren lässt. Sie erledigte sie seit Jahren auf dieselbe Weise und ging davon aus, dass es eben so gemacht werden muss. Und ich hätte keine Lösung entwickeln können, wenn ich das Problem nie gesehen hätte.

Deshalb stelle ich zuerst vier Fragen:

  • Was machst du gerade?
  • Warum machst du es auf diese Weise?
  • Wie oft musst du das erledigen?
  • Welche Informationen sind bereits vorhanden?

Manchmal ist die Lösung aufwendig. Manchmal besteht sie tatsächlich nur aus einem einzigen banalen Feld, das einmal richtig gepflegt wird — und plötzlich spart ein Unternehmen jeden Monat mehrere Arbeitstage.

Nicht alles neu machen, sondern genau hinschauen, bestehende Informationen intelligent nutzen und die tägliche Arbeit spürbar einfacher machen.

Weitere Beispiele aus Kundenprojekten Konkrete Projektbeispiele ergänze ich hier nach und nach — jeweils nur mit ausdrücklicher Freigabe der Beteiligten. Wenn du wissen möchtest, ob sich bei dir etwas Vergleichbares findet: Der schnellste Weg dorthin ist ein Gespräch.

Wo hängt bei dir der Rechenstreifen?

Fast jeder Betrieb hat eine Aufgabe, die seit Jahren von Hand erledigt wird, weil nie jemand gefragt hat, ob es auch anders geht. Lass uns gemeinsam nachsehen.

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